Innovationssystem der Stahlindustrie (C1)

Bauen mit Stahl – 
Stahl(verbund)fertighäuser im Innovationssystem der Stahlindustrie (1920er–1970er Jahre).

Seit der Zwischenkriegszeit versuchten Unternehmen der Stahlbranche mit dem Bau von Fertighäusern aus Stahl, neue Absatzmärkte zu erschließen. Ab den 1950er Jahren wurden neue Konstruktionsmaterialien eingeführt, die im Wohn- und Bürohausbau zum Einsatz kamen. Diese Entwicklungen erfolgten im Verbund zwischen Stahl- und Chemieindustrie, die damit in branchenfremde Wissensgebiete vordrangen.
Den Fertighäusern aus Stahl war kein dauerhafter Markterfolg beschieden, doch gehören die in diesem Kontext entwickelten neuen Konstruktionsmaterialien (kunststoffbeschichte Profile, Stahlsandwichtragwerke) heute zu den Standard-Baustoffen. Im Kontext des heutigen Wohnungsmangels erleben Stahlfertighäuser derzeit eine Renaissance.Das erste Teilprojekt untersucht das branchenspezifische Innovationssystem der Stahlindustrie (1920er bis 1970er Jahre).

Persistenz und Wandel von Innovationssystem und -kultur werden vor dem Hintergrund technischer und ökonomischer sowie politischer, sozialer und kultureller Veränderungen untersucht und als Erklärungsfaktoren für die Innovativität der Branche operationalisiert. Die zentrale Arbeitshypothese lautet, dass die Innovationskultur in der Stahlindustrie nur bedingt mit den im Mittelpunkt des Projektes stehenden Innovationsvorhaben harmonierte. Das wiederum kann einerseits das Scheitern der endverbrauer-orientierten Innovationsvorhaben (Fertighäuser) und andererseits den relativen Erfolg von materialtechnisch orientierten Teilprojekten erklären. Das zweite Teilprojekt analysiert auf der Mikroebene die baukonstruktiven Innovationsprozesse und -kulturen der wichtigsten Produzenten von Stahl(verbund)fertighäusern (Hoesch, Krupp).

In den Blick genommen werden die Kooperationen zwischen Unternehmen und externen Experten, außerdem die Rückkopplungen der Bauaufsichtsbehörden und der Baupraxis auf die Innovationsprozesse. Eine besondere Rolle spielt die bau(technik)historische Kartierung aller nachweisbaren Fertighäuser, die aus denkmalpflegerischen Gründen hilfreich ist. Das dritte Teilprojekt fragt nach der Rolle der staatlichen Materialprüfungsämter (MPA) innerhalb des branchenübergreifenden Innovationssystems (Stahl-Chemie). Dafür werden die Forschungs- und Prüfaufgaben der Abteilungen für Bauwesen der MPA untersucht. Außerdem werden die konkreten Innovationen der Unternehmen im Bereich der neuen Konstruktionsmaterialien im Sinne der Historischen Materialforschung auch hinsichtlich ihrer technologischen, bauphysikalischen und -chemischen Materialdaten untersucht.Das Projekt insgesamt wird die mikrohistorische Analyse des Innovationsvorhabens Stahl(verbund)fertighäuser mit einer meso- und makrohistorischen Perspektive auf das Innovationssystem und die -kultur in der deutschen Stahlindustrie verbinden.
Es verfolgt damit konstruktions- und innovationshistorische Untersuchungsansätze, die in dieser Kombination erstmals so auch für Fragestellungen des Denkmalschutzes fruchtbar gemacht werden können.

Weitere Teilprojekte