Brett- und Bohlenbinder (D2)

Brett- und Bohlenbinder als materialsparende Holzkonstruktionen der Hochmoderne.

Der Ingenieurholzbau entwickelt sich in der Hochmoderne als eigenständige Disziplin. Voraussetzung dafür sind ein grundsätzliches Verständnis des Werkstoffs und der Verbindungen auf wissenschaftlicher Grundlage, sowie innovative Ideen für neue Holzwerkstoffe und leistungsfähige Verbindungen.

Im Schatten der vergleichsweise gut erforschten Brettschichtholzbauweise stehen bisher Brett- und Bohlenbinder bei denen stehende Brettlamellen überwiegend mit Nägeln aber auch mit Bolzen oder Dübeln zu Tragelementen gefügt wurden, welche im Wesentlichen den als Vollwand- oder Fachwerkkonstruktionen bekannten Vorbildern aus dem Stahlbau entsprachen. Eine systematische Aufarbeitung der konstruktionsgeschichtlichen Zusammenhänge für diese Bauweise steht bisher noch aus. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass die aktuellen Ingenieurmethoden zur Berechnung der Tragfähigkeit und des Verformungsverhaltens von stiftförmigen Verbindungen, welche auf Abscheren beansprucht werden, das Tragverhalten genagelter Verbindungen nur unzureichend abbilden. Damit fehlen auf der Seite der Ingenieurwissenschaften wichtige Grundlagen für eine Bewertung entsprechender Konstruktionen hinsichtlich ihrer Effizienz und Qualität. An diesen beiden Punkten setzt das geplante Forschungsvorhaben an, in dem in einem interdisziplinären Team Methoden und Kriterien für das Erfassen und Einordnen auf der einen sowie das Erkennen und Bewerten auf der anderen Seite erarbeitet werden sollen.

Die dazu vorgesehenen insgesamt zwölf Arbeitspakete lassen sich in zwei Gruppen zusammenfassen. In einem ersten Schritt A werden Kategorien für die Systematisierung entwickelt und angewandt um ca. vier Referenzobjekte zu identifizieren. Die Grundlage dazu bilden umfassende Recherchen zum materialsparenden Bauen, zu Forschungsberichten und Re-gelwerken sowie zu Herstellungsprozessen. In einem zweiten Arbeitsschritt B werden parallel denkmalpflegerische Wertekategorien und ingenieurtechnische Bewertungsmethoden entwickelt und beispielhaft auf die Referenzobjekte angewandt.
Als übergeordnetes Ziel wird angestrebt, dass alle wesentlichen Ergebnisse in die Erarbeitung eines weiter gefassten methodischen Leitfadens zur Evaluierung von Baudenkmalen der Hochmoderne einfließen.Im Forschungsvorhaben sollen zwei Bearbeiter aus den beiden Disziplinen Denkmalpflege und Bauingenieurwesen kooperieren. Die einzelnen Arbeitspakete sind eng verzahnt. Darüber hinaus sind weiter gefasste Kooperationen innerhalb des SPPs gewünscht und in Vorabsprachen präzisiert wurden. Das betrifft die Themen “Wettstreit der Konstrukteure”, “Hochmoderne Digital”, “Schutz von Wissen, Technik und Prozess” sowie “Luftbildbasierte Erfassung”. Vier Landesdenkmalämter haben ihr Interesse an der Thematik “Brett- und Bohlenbinder” bekundet und eine Unterstützung zugesagt.

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