Eisenbahnbrücken – Denkmale im Netz (A1)

Eisenbahnbrücken – Denkmale im Netz

An repräsentativen Beispielen aus dem heutigen Bundesland Niedersachsen sollen Eisenbahnbrücken der Hochmoderne (1880-1940) als wichtige Teile eines übergreifenden infrastrukturellen Netzes untersucht werden. Die einzelne Konstruktion wird dabei als Element der dynamischen Entwicklung des komplexen Netzwerks “Eisenbahn” verstanden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erarbeitung eines bautechnikgeschichtlichen Koordinatensystems. Dabei werden u.a. die bautechnischen, konstruktionsgeschichtlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen analysiert, sodass eine Einordnung der Beispielbauwerke in den übergeordneten Gesamtkontext möglich ist. Damit wird die Grundlage für die systematische Bewertung von Eisenbahnbrücken als denkmalwerte Kulturdenkmale verbessert und ihre bauliche Weiterentwicklung als „Denkmale im Netz“ auf eine breitere Basis gestellt.

Als Pilotprojekt konzipiert, zielt es auf eine bundesweite Übertragbarkeit der Ergebnisse für das gesamte Eisenbahn-Netz.Das Projekt setzt sich zum Ziel, die bestehenden Kriterien für die denkmalfachliche Beurteilung von Eisenbahnbrücken anhand der Forschungsergebnisse zu prüfen, sie weiterzuentwickeln und eine wissenschaftliche Methodik für deren Einordnung zu entwerfen. Dabei verfolgt das Projekt die Hypothesen, dass diese Einordnung nicht allein durch die klassische baumonographische Betrachtung des Einzelobjekts gelingt, sondern dass die Brücken als Bestandteil des Netzes zusammenhängend betrachtet werden müssen, damit der Denkmalwert umfassender erschlossen werden kann. Weiterhin sind Eisenbahnbrücken im funktionierenden Netz ständiger Veränderung durch Instandhaltung, Reparatur und Erneuerung unterworfen. Dies ist aus funktionalen und ökonomischen Gründen notwendig. Eine vollständige materielle Erhaltung aller Elemente ist daher allenfalls zeitweise, nicht aber auf Dauer möglich. Die Zeugnisse der Veränderungsgeschichte sind, rückblickend, “Teil” des Denkmals und, vorausblickend, Randbedingung für jedes denkmalpflegerische Konzept.

Es ergeben sich die beiden Leitperspektiven des Vorhabens:a) “Top-down”: vom Netz zum EinzelobjektEisenbahnbrücken sind im funktionierenden Netz ständiger Veränderung unterworfen. Dies gilt zwar auch für alle anderen Denkmale, doch im Hinblick auf Brücken und anderen stetiger Belastung und Benutzung ausgesetzten Ingenieurbauten spielt der Faktor der “notwendigen Veränderbarkeit” eine besondere Rolle, um ihre spezifische Authentizität und Integrität bewerten zu können.b) “Bottom-up”: vom Einzelobjekt zum NetzDie einzelne Eisenbahnbrücke wird zwar in der Regel als Einzeldenkmal bewertet, doch steht sie in einem viel weitergehenden Zusammenhang: Ihre Bedeutung erklärt sich aus ihrer Rolle in der Gesamtheit des Netzes. Ihr “Aussage- und Zeugniswert” als schützenswertes Denkmal kann auf verschiedenen Ebenen verankert sein: die Gestalt und die spezifische Konstruktion mit ihren nicht unbedingt sichtbaren Elementen kann ausschlaggebend für eine Unterschutzstellung sein.

Projektbilder

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