Erfolgreich Scheitern

Erfolgreich Scheitern. Zur Bedeutung von Spinn-offs für das Bauwesen am Ende der Hochmoderne

[Fortsetzungsprojekt]

Das Vorhaben fußt auf den Ergebnissen des Teilprojektes „Bauen mit Stahl. Stahl(verbund)fertighäuser im Innovationssystem der Stahlindustrie (1920er–1970er Jahre)“ aus der ersten Förderphase des SPP 2255. Die Genese der Stahlfertighäuser stellte die zeitgenössische technische Bauforschung vor konstruktive, bauphysikalische und -chemische Herausforderungen. Auch wenn die Etablierung der Stahlfertighäuser auf dem Markt scheiterte, sind die damit verbundenen Teil-Innovationen als Erfolgsgeschichte zu verstehen. Dieses Phänomen wird in der Innovationsforschung als Spin-off bezeichnet und steht im Zentrum des Forschungsvorhabens.

Ein innovationshistorisch relevanter Forschungsbefund ist, dass die Entwicklung hybrider Komposit-Materialien als Spin-offs der zunächst durch die Stahlindustrie initiierten Innovationsprozesse eng mit der Herausbildung neuer, hybrider, also branchenübergreifender, Innovationssysteme verwoben war. Auf der metahistorischen Ebene wird diesem Phänomen und seiner Bedeutung für die Diffusion langfristig erfolgreicher Spin-offs aus gescheiterten Innovationsprozessen nachgegangen. Dabei handelt es sich um von der Forschung noch nicht systematisch untersuchte Prozesse. Das Projekt trägt dazu bei, diesen Ansatz konzeptionell zu erweitern.

Da es inhaltlich auf das Bauwesen fokussiert, rekonstruiert es die bisher unbekannten Spezifika eines konkreten hybriden Innovationssystems. Ein zentrales Forschungsergebnis auf der Mesoebene bildet die weit über die Materialprüfungsämter hinausreichende Ausdifferenzierung der in die Regulierung involvierten Institutionen (institutioneller Spin-off). Sie stehen für die Kontrolle des Fertighaus-Sektors, aber auch für die Entwicklung und Standardisierung neuer Prüfverfahren (methodisch-technologischer Spin-off). Zugleich bildeten sich neue Formen der seriell gefertigten Bauteile heraus (konstruktiver Spin-off), die sich ihrerseits auf die Baugenehmigungsverfahren auswirkten.

Auf mikrohistorischer Ebene lässt sich erkennen, dass die Sandwichbauweise und die Konstruktion der Anschlüsse der Elemente in verschiedene Bereiche des Gewerbebaus übertragen wurden und konstitutive Züge für den Stahlleichtbau der Hochmoderne gewannen (konstruktiver Spin-off). Akteure, die in die Entwicklung der Stahl(verbund)häuser involviert waren, wurden auf Universitätsprofessuren berufen, transferierten das Wissen in die Lehre und prägten dadurch das Konstruieren der Bauingenieure im Stahlhochbau (akademisch-wissenschaftlicher Spin-off).

Das Vorhaben trägt zu einem besseren Verständnis historischer Innovativität bei und erlaubt, das Koordinatensystem der Bautechnikgeschichte für die Hochmoderne deutlicher zu konturieren. Es bildet einen wichtigen Baustein für das Themenfeld “Erfassen und Einordnen” des SPP und bietet die Basis, hochmoderne Konstruktionen in denkmalpflegerischer Hinsicht neu zu bewerten.

Bildnachweis: aus Werk und Wir 7, 1959, H. 9, S. 299

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