Historische Betoninstandsetzungen (B2)

Zum Umgang mit historischen Betoninstandsetzungen
 – Wertung und Umgang mit früheren Instandsetzungsmaßnahmen bei Sichtbetonbauten der Hochmoderne

Ziel des Vorhabens ist es, frühere Instandsetzungen an Sichtbetonbauwerken der Hochmoderne sowohl denkmalpflegerisch wie bautechnisch zu bewerten und Strategien für den Umgang zu entwickeln. Der Blick über die Instandsetzung der Betonbauwerke erlaubt dabei neue Erkenntnisse über die paradigmatische Konstruktionsart der Hochmoderne. Grundlage des Vorhabens ist zunächst eine Aufarbeitung der Geschichte der Betoninstandsetzung in Deutschland, wobei der Fokus auf die Phase nach 1945 und vor 1990 gelegt werden soll. Aus bautechnikgeschichtlicher Perspektive ist hier vor allem die Entstehung und Herausbildung eines technischen Standards, wie ihn die DAfStb RL SIB 1990-92 darstellt, von Interesse.
Welche Akteure aus welchen Bereichen mit welchen Fragestellungen und Interessen waren maßgeblich beteiligt und haben die heutigen Regelwerke geprägt? Welche weiteren Ansätze haben, aus welchen Gründen, keinen Eingang in den Normenbildungsprozess gefunden? Darüber hinaus sollen wesentliche Instandsetzungsprodukte (Stoffzusammensetzung, Anwendungen, Hersteller) und Methoden der Bauwerksdiagnose entsprechend der historischen Literatur identifiziert und bewertet werden. Über die Fallstudien und Untersuchungen am Objekt sollen diese Erkenntnisse empirisch überprüft werden.

Im Zusammenhang mit dem zu erarbeitenden historischen Überblick ergeben sich neue Erkenntnisse für den erhaltenden Umgang mit den Objekten der Fallstudien selbst. Mit welchen diagnostischen Methoden können frühere Instandsetzungen heute bewertet werden? Welches Vorgehen und welche Produkte entsprechen den fachlichen und technischen Möglichkeiten der Zeit? Letztlich stellt sich auch die Frage, in welchem Verhältnis die früheren Bemühungen zur Instandsetzung und Erhaltung zur fachlichen und öffentlichen Rezeption und Bewertung der Betonbauwerke standen. Gerade bei Betoninstandsetzungen bilden die grundlegenden Denkmalpflege-Kategorien “Authentizität” und “Integrität” wesentliche Pole des Diskurses. Wie lassen sich die denkmalpflegerischen Leitbilder mit ingenieurtechnischen Optimierungsbestrebungen hinsichtlich Dauerhaftigkeit, Mängelbeseitigung oder struktureller Stringenz vereinen? Die Erarbeitung eines wissenschaftlich fundierten, methodischen Leitfadens zur bautechnischen und denkmalpflegerischen Bewertung der frühen Betoninstandsetzungen dient zum einen der Etablierung von Praktiken und Verfahren zum angemessenen Umgang mit der historischen Überlieferung dieser Bauwerke. Hieraus ergeben sich neue Impulse für die internationalen Diskussionen um Leitlinien und Regelwerke.
Zum anderen bedingt sie auch die Notwendigkeit, zwischen Bauingenieuren, Architekten, Denkmalpflegern und Konservatoren eine “gemeinsame Sprache” und ein Verständnis verschiedener fachlicher Perspektiven und Interessen zu entwickeln. Erst aus einer solchen problemorientierten, interdisziplinären Zusammenarbeit entwickelt sich ein technisch und kulturwissenschaftlich reflektierter Denkmalbegriff für das Erbe der Hochmoderne.

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