Erfolg und Misserfolg im Spannbetonbau

Erfolg und Misserfolg: Zum Beitrag erkannter Fehler für die Entwicklung der Spannbetonbauweise

Die Spannbetonbauweise ist wie keine andere mit der Hochmoderne verbunden. Ihre Anfänge in den 1880er Jahren waren zunächst primär interessante Ingenieurlösungen für das Problem der Rissbildung in Beton. Im 20. Jh. wurde die Bauweise zu einer Sprunginnovation, die sich trotz etlicher wissenschaftlicher und technischer Sackgassen, Fehlentwicklungen und Schadensfälle zur bedeutendsten Bauweise für filigrane, weit spannende, langlebige Betonstrukturen entwickelte. Die Erfolgsgeschichte des Spannbetons ist ausreichend dokumentiert. Eine tiefgreifende Analyse von Fehlschlägen als Innovationstreiber steht aber noch aus.

Gleichzeitig rekurriert das Vorhaben auf die initiale Kernproblematik des SPP: den vermehrten Abriss von Ingenieurbauten der Hochmoderne. Gerade Spannbetonkonstruktionen sind durch ihre im Beton verborgene Konstruktion und dadurch, dass die Innovation oft im konstruktiven Detail liegt, geradezu prädestiniert für ein Übersehenwerden. Abgesehen von einfach zu begründenden Ingenieurhöchstleistungen ist eine angemessene Würdigung von Spannbetonbauwerken daher bis heute ein Desiderat.

Hauptziel des Forschungsprojektes ist deshalb das Erforschen und Verfassen einer kritisch reflektierten Bautechnikgeschichte des Spannbetons zwischen Erfolg und Fehlschlag als Grundlage für die denkmalpflegerische Inwertsetzung von Spannbetonbauten in Deutschland. Die vielfältigen Probleme in der Entwicklungsgeschichte des Spannbetons wie z. B. wissenschaftliche Fehlannahmen, unzureichende theoretische Durchdringung, baupraktische Schwierigkeiten, Fehler im Detail werden bisher häufig marginalisiert. Ein wesentlicher Teil der Arbeit liegt in Identifikation, Beschreibung und Einordnung von Misserfolgen und Fehlentwicklungen im Planungs-, Konstruktions- und Bauprozess, um darauf aufbauend zu ergründen, wie diese Fehler die Weiterentwicklung der Bauweise vorangebracht und beeinflusst haben.

Eine weitere These ist, dass sich in der Fachcommunity Dispute um “richtige” Verfahren und “falsche” Annahmen besonders an konkreten Bauvorhaben entfacht haben, weshalb diese vertieft beleuchtet werden. Ferner soll die Frage beantwortet werden, warum trotz zahlreicher Probleme v. a. in der Frühphase die beteiligten Akteure am Spannbeton festhielten und trotz teils erheblicher Rückschläge seine Weiterentwicklung forcierten. Es werden Differenzen und deren Gründe zwischen dem in Normen geregelten Stand der Technik und dem aktuellen Forschungsstand sowie Formen und Grenzen des Wissenstransfers über Staatsgrenzen herausgearbeitet. Abschließend werden im Sinne der Fehlschlagforschung interessante Spannbetonbauten dahingehend geprüft, ob sie im Sinne klassischer Denkmalkriterien schutzwürdig sind oder eine Erweiterung der Kriterien notwendig ist.

Das Projekt fokussiert primär die Spannbetonentwicklung in Deutschland und hier insbesondere den Brückenbau. Einbezogen werden Einflüsse aus Frankreich v. a. in der ersten und der Schweiz in der zweiten Hälfte der Hochmoderne.

Projektbilder

Freivorbau der Rheinbrücke Bendorf 1962-1965, Planer U. Finsterwalder Dyckerhoff und Widmann; Deutsche Fotothek

Steinmann, G., Das Verfahren Baur-Leonhardt und die Ausführung von Brücken in vorgespanntem Beton, 1954, Schweizerische Bauzeitung 1954

Projektfoto: erste Spannbetonbrücke nach heutigem Verständnis – Pont du Luzancy; M.Herbers, TU Dresden

Weitere Teilprojekte