Mast 17 in Königs Wusterhausen
Mast 17 in Königs Wusterhausen
Mast 17 in Königs Wusterhausen
Einzigartiges Zeugnis aus der Rundfunk-Pionierzeit

Gesamtansicht Mast 17 von Südosten, im Vordergrund Teile eines ehemaligen RIAS-Sendemasts aus Berlin-Britz, 2016.(www.funkerberg.de) Foto: Thomas Wiegold

Modell des Funkerbergs in den Jahren 1938/39. Mast 6 bzw. 17 befindet sich in der Bildmitte oberhalb des trapezförmigen Baukomplexes der ehemaligen Funkerkaserne. Das blaue Dreieck markiert den Turm. Wikimedia Commons, V. Boldychev, 2021.

Blick von Süden auf Mast 17 vom Ankerpunkt der beiden äußeren Pardunen, 2021. Sender- und Funktechnikmuseum Königs Wusterhausen
Zusammen mit fünf weiteren Masten und einem freistehenden Turm im Zentrum trug der Ende 1924 errichtete „Mast 17“ die Antennen des neuen Langwellensenders Königs Wusterhausen. Heute ist der knapp 215 m hohe “Skyscraper” ein einzigartiges Zeugnis nicht nur aus den Pionierjahren des Rundfunks.
Bauwerk
Ende Dezember 1920 strahlte die „Hauptfunkstelle“ Königs Wusterhausen ein Weihnachtskonzert aus. Es gilt als Nukleus des deutschen Rundfunks. Bald darauf platzte die Anlage mit rund 20 Telegrafie- und Telefonie-Sendern, deren Antennen zwischen sieben bis zu 150 m hohen Trägermasten spannten, schon aus allen Nähten.
Von 1922 bis 1925 erfolgte in zwei Bauphasen eine großzügige Erweiterung, deren augenfälligstes Element ein gewaltiger Stahlturm war. Ihn umstanden in einem unregelmäßigen Sechseck sechs je rund 215 m hohe Gittermasten. Gemeinsam trugen sie die riesigen Antennen für die Langwellensender der neuen Sendehäuser 2 und 3.
Der sogenannte Mittelturm ragte 243 m (geplant waren sogar 280 m) in den Himmel, und wurde hierdurch nach dem Eiffelturm zum zweithöchsten freistehenden Bauwerk seiner Zeit. Mit einem Gewicht von 700 t wog er aber lediglich ein Zehntel des französischen Weltrekordlers. Verantwortlich für das waghalsige Bauwerk zeichnete die Honnefwerke AG, die zudem die zugehörigen Masten 1 und 4 errichtete. Auf Konzepten des schwedischen Ingenieurs Karl Ljungberg basierten die Masten 2, 3 und 5, wobei sich letzterer zunächst bis zur Fertigstellung des Mittelturms im Zentrum der Anlage befand. Die Montage der drei Masten übernahm eventuell die renommierte Berliner Stahlbauanstalt Hein, Lehmann & Co., auf jeden Fall steuerte sie aber im Zuge eines zweiten Erweiterungsschritts nach eigenem Entwurf schließlich noch den Mast 6 bei.
Konstruktion
Mit Tragmasten für die Antennen der gerade erst erfundenen drahtlosen Telegrafie beschäftigte sich das Unternehmen bereits seit 1904. Unter anderem entwickelte Hein, Lehmann & Co. zusammen mit der Firma Telefunken westlich von Berlin in Nauen die welterste Großfunkanlage. Dort schälten sich einige Grundprinzipien für die rasch immer höher ragenden Antennenträger heraus: schlanker Stahlfachwerkkorpus mit mehreren Abspannungen (Pardunen), gelenkiges Punktlager zum Ausgleich von Schwingungen, Isolation gegen die Erde durch Porzellankörper sowie beweglich gelagerte und durch Betongewichte stets gleichmäßig gespannte Antennenkabel.
Während man in Nauen noch auf Querschnitte in Dreiecksform gesetzt hatte, fielen diese in Königs Wusterhausen sämtlich quadratisch aus. Dies galt auch für den mit Kantenlängen von 2,30 m aufwartenden Mast 6, obwohl er aus Platzgründen lediglich nach drei Seiten abgespannt werden konnte. 1924 fügte man ihn innerhalb von zwei Monaten aus rund 90 t Winkelstählen zusammen und sicherte ihn mit 18 Pardunen von bis zu 280 m Länge.
Zukunft
Ende der 1930er Jahre ragten auf dem „Funkerberg“ von Königs Wusterhausen stattliche 22 Antennenträger in den Himmel. 15 Jahre später war ihre Zahl bereits auf die Hälfte reduziert. Weitere Demontagen verursachten ein verringerter Bedarf sowie Sorgen um die Standsicherheit, nachdem der Mittelturm Ende 1972 während eines Orkans kollabiert war. Schlussendlich blieb nur ehemalige Mast 6 erhalten, da er als Träger einer Schrägdrahtantenne für einen Langwellensender noch bis 1995 benötigt wurde. Um Erhalt des der zwischenzeitlich in Mast 17 umbenannten Bauwerks sowie die zahlreichen weiteren Relikte der Rundfunkgeschichte auf dem Funkerberg kümmert sich seitdem ein rühriger Förderverein. Aktuell wird eine umfangreiche Sanierung des ältesten großen Antennenträgers in Deutschland vorbereitet.
Eckdaten
- Lage: Königs Wusterhausen, Funkerberg
- Bauzeit: 1924/25
- Sanierungen: 2007, 2009/10
- Tragwerksplanung: Hein, Lehmann & Co. AG, Berlin-Reinickendorf (Leitung: Franz Bräckerbohm)
- Denkmalstatus: Eintragung in die Denkmalliste des Landes Brandenburg 1994.
Zum Weiterlesen
- W[alter] Meyer: Telefunken in Königswusterhausen. 3. Aufl., Berlin 1928.
- Otto Lemke: „Königs Wusterhausen. Von der militärischen Zentralfunkstation zur postalischen Hauptfunkstelle“. In: Archiv für das Post- und Fernmeldewesen 20 (1968), Nr. 2, S. 115–163.
- Gerd Klawitter (Hg.): 100 Jahre Funktechnik in Deutschland: Funksendestellen rund um Berlin. 3. Aufl., Dessau 2004, S. 61–92.
- Christine Oliwkowski: „Die Hauptfunkstelle Königs Wusterhausen – ‚[…] wegen ihrer Vielgestaltigkeit die interessanteste Funkstation der Welt“. In: Felix Engel, Kristina Hübener (Hg.): Königs Wusterhausen. Eine Stadtgeschichte. Berlin 2020, S. 267–297.
Weblinks
Mast 17 auf den Seiten des Museums Funkerberg in Königs Wusterhausen




