Wegmarken hochmodernen Bauens

Der entlang eines Zeitstrahls aufgereihte Fundus der „Wegmarken hochmodernen Bauens“ zeigt nicht die allseits bekannten legendären Meilensteine hochmodernen Konstruierens von Eiffelturm und Forth Bridge über Nervis, Candelas‘ und Torrojas Schalen bis hin zu den räumlichen Stabwerken eines Buckminster Fuller.
Der Schwerpunkt liegt vielmehr auf insbesondere in Deutschland angesiedelten, weniger bekannten Bauten „aus der zweiten Reihe“, die in Verbindung mit Arbeiten im SPP 2255 stehen. Die „Wegmarken“ sind als ein allmählich wachsender Fundus konzipiert, der im Zusammenhang mit konkreten Projekten von den Teilnehmenden im SPP 2255 sukzessive aufgefüllt werden wird.
  • Hoch in der Luft montiert

    Sternbrücke Hamburg

    1925

    Die Sternbrücke kurz nach ihrer Fertigstellung 1926

    Sternbrücke Hamburg


    Die 1925/26 errichtete Sternbrücke in Hamburg-Altona ist ein besonderes Beispiel für Ingenieurbaukunst der Hochmoderne. Ihre schwierige städtebauliche Situation führte zu sehr speziellen Herausforderungen im Bauprozess. Das Brückenbauwerk ist überdies ein frühes Exempel für die Anwendung des höherfesten Stahls St 48 und demonstriert anschaulich die Bemühungen der Reichsbahn in den Weimarer Jahren zur Etablierung wirtschaftlicherer Bauweisen.

    Weitere Informationen und Bildmaterial

    Sternbrücke Hamburg

    Die 1925/26 errichtete Sternbrücke in Hamburg-Altona ist ein besonderes Beispiel für Ingenieurbaukunst der Hochmoderne. Ihre schwierige städtebauliche Situation führte zu sehr speziellen Herausforderungen im Bauprozess. Das Brückenbauwerk ist überdies ein frühes Exempel für die Anwendung des höherfesten Stahls St 48 und demonstriert anschaulich die Bemühungen der Reichsbahn in den Weimarer Jahren zur Etablierung wirtschaftlicherer Bauweisen.

    Bauwerk

    Die Sternbrücke ersetzte einen Vorgängerbau von 1893 über eine als „Stern“ bezeichnet Kreuzung mehrerer wichtiger Verkehrsachsen. Bei seiner Eröffnung wurde der Ersatzbau als „Glanzleistung deutscher Technik“ gefeiert, u.a. weil seine Errichtung nur sehr geringe Verkehrseinschränkungen verursacht hatte. Hierfür hatte man die Brückenüberbauten unmittelbar über sowie neben dem alten Bauwerk montiert und während sehr kurzer Sperrzeiten eingehoben bzw. eingeschoben. Bemerkenswert ist auch die hochwertige und aufwändige Gestaltung Widerlager, Gewölbe und Kasematten unter Rückgriff auf örtliche Traditionslinien der Backsteinarchitektur. In Kombination mit der stringenten Eleganz des stählernen Überbaus ergibt sich ein eindrucksvoller Dialog aus Architektur und Technik.

    Konstruktion

    Die Formgebung der Stahlbauteile ist streng aus dem Werkstoff und der Konstruktion abgeleitet. Je zwei genietete Blechträger aus St 48 mit Höhen von lediglich 2,80 m und Längen von bis zu 75 m bilden die Kernelemente der beiden zweigleisigen Überbauten. Sie lagern auf insgesamt sechs Stahlstützen im Straßenraum sowie zwei Widerlagern und anschließenden Kasematten. Die zeittypische Dreifeldträger-Lösung mit kurzen Endfeldern machte eine Sicherung gegen Abheben in den Endauflagern in Form von Kontergewichten erforderlich.

    Zukunft

    Aktuell bereitet die Deutsche Bahn ein Planfeststellungsverfahren für einen Ersatzneubau vor. Der stützenfreie Neubau-Entwurf ist als 108 m lange Stabbogenbrücke mit einer Scheitelhöhe von ca. 26 m geplant. Bereits kurz nach Bekanntwerden der Pläne wurde die Initiative Sternbrücke gegründet. Sie kämpft für den Erhalt der denkmalgeschützten Sternbrücke und fordert eine intensive Beteiligung der Öffentlichkeit an den Planungen ein. (CJS)

    Eckdaten

    Lage:Kreuzung Stresemannstraße / Max-Brauer-Allee, 22769 Hamburg-Altona
    Lage::
    Bauzeit:
    Kreuzung Stresemannstraße / Max-Brauer-Allee, 22769 Hamburg-Altona:
    1925/26
    Lage::
    Tragwerksplanung:
    Kreuzung Stresemannstraße / Max-Brauer-Allee, 22769 Hamburg-Altona:
    Reichsbahndirektion Altona (Otto Blunck und Hans Kilian)
    Lage::
    Gesamtplanung:
    Kreuzung Stresemannstraße / Max-Brauer-Allee, 22769 Hamburg-Altona:
    Reichsbahndirektion Altona
    Lage::
    Ausführung:
    Kreuzung Stresemannstraße / Max-Brauer-Allee, 22769 Hamburg-Altona:
    Louis Eilers, Fabrik für Eisen-, Hoch-, und Brückenbau, Hannover-Herrenhausen
    Lage::
    Denkmalstatus:
    Kreuzung Stresemannstraße / Max-Brauer-Allee, 22769 Hamburg-Altona:
    Eintrag in die Hamburger Denkmalliste 2015 (Kulturdenkmal Eintrag 43768)

    Bildmaterial

    Zum Weiterlesen

    Otto Blunck: „Umbau der Sternbrücke in Altona“. In: Stahl und Eisen 47 (1927), Nr. 6, S. 235
    Sven Bardua: Brückenmetropole Hamburg. Baukunst – Technik – Geschichte bis 1945 (Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs; 25). Hamburg 2009, S. 20f., 157
    Werner Lorenz: „Von der Notwendigkeit des Weiterbauens“. In: Eva Maria Froschauer u.a. (Hg.): Vom Wert des Weiterbauens (Kulturelle und technische Werte historischer Bauten; 4). Basel 2020, S. 117–132

  • Leicht (und) zerlegbar

    Flugzeughallen 5 und 6 des ehemaligen Fliegerhorsts Cottbus

    1934

    Flugzeughalle 5, Innenraum nach Nordosten, 2020.

    Flugzeughallen 5 und 6 des ehemaligen Fliegerhorsts Cottbus


    Im Ersten Weltkrieg zeigte sich die Notwendigkeit, ein Flugfeld mit zugehöriger Infrastruktur teilweise auch an schwer zugänglichen Orten rasch auf- und auch wieder abbauen zu können. Hiervon angeregt, entwickelte Ottokar Paulssen ab Mitte der 1920er Jahre zunächst für die Firma Junkers und später für die Ostdeutschen Landwerkstätten zerlegbare Flugzeughangars. Deren Tragwerke setzten sich stets aus gleichförmigen Einzelbauteilen zusammen, die ohne maschinelle Hilfe über größere Strecken transportiert und vor Ort von angelernten Hilfskräften zusammengeschraubt werden konnten. Dieser für die Hochmoderne typische Impuls, komplexe technische Bauten auf Basis rationaler Baukastenlösungen umsetzen zu wollen, zeigt sich besonders anschaulich an zwei baugleichen Flugzeughallen des ehemaligen Fliegerhorsts Cottbus.

    Weitere Informationen und Bildmaterial

    Flugzeughallen 5 und 6 des ehemaligen Fliegerhorsts Cottbus

    Im Ersten Weltkrieg zeigte sich die Notwendigkeit, ein Flugfeld mit zugehöriger Infrastruktur teilweise auch an schwer zugänglichen Orten rasch auf- und auch wieder abbauen zu können. Hiervon angeregt, entwickelte Ottokar Paulssen ab Mitte der 1920er Jahre zunächst für die Firma Junkers und später für die Ostdeutschen Landwerkstätten zerlegbare Flugzeughangars. Deren Tragwerke setzten sich stets aus gleichförmigen Einzelbauteilen zusammen, die ohne maschinelle Hilfe über größere Strecken transportiert und vor Ort von angelernten Hilfskräften zusammengeschraubt werden konnten. Dieser für die Hochmoderne typische Impuls, komplexe technische Bauten auf Basis rationaler Baukastenlösungen umsetzen zu wollen, zeigt sich besonders anschaulich an zwei baugleichen Flugzeughallen des ehemaligen Fliegerhorsts Cottbus.

    Bauwerke

    Die beiden Hangars entstanden 1934 im Rahmen einer Erweiterung des militärischen Teils des Cottbuser Flughafens. Dieser war bereits ein Jahr zuvor für die „Deutsche Verkehrsflieger-Schule“ (eine Tarnorganisation der offiziell verbotenen Luftwaffe) eingerichtet worden. Beide Hallen verfügen über einen korbbogenförmigem Querschnitt und überdecken stützenfrei eine Grundfläche von 30 x 31,50 m. Die Flugzeughalle 5 ist auf drei Seiten von eingeschossigen Anbauten umgeben, ihr Zwillingsbau wurde 2004 demontiert und 2010–12 ohne Anbauten auf dem Gelände des Military Aviation Museum im amerikanischen Virginia Beach wieder aufgestellt.

    Konstruktion

    Bei den Bauwerken handelt es sich um zerlegbare „OLA-Hallen“, denen ein 1932 in Deutschland zum Patent angemeldetes System zugrunde lag. Ihre Haupttragelemente sind bogenförmige Stahlbinder, die aus je zwei parallel verlaufenden Stabscharen gebildet werden. Stöße und Mitten der mit Schrauben verbundenen Stäbe sind dabei in den beiden Scharen jeweils gegeneinander verschoben. Im bodennahen Bereich bestehen die Stabzüge aus Blechlamellen mit U-Querschnitt, darüber sind sie aus Winkelprofilen fachwerkartig aufgelöst. Gemeinsam mit ebenfalls zusammengeschraubten Oberpfetten tragen sie ein Blechdach. Auskreuzungen und ein liegender Fachwerkträger über der Toröffnung übernehmen die Aussteifung.

    Zukunft

    Bis zur Schließung des Flugplatzes im Jahr 2003 waren beide Hallen kontinuierlich genutzt worden. Der bald darauf nach Amerika translozierte Hangar 6 dient heute der Präsentation deutscher Militärflugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Sein in Cottbus verbliebenes Gegenstück bot seither vielfältigen temporären gewerblichen und kulturellen Nutzungen Platz. Langfristig soll er in den im Aufbau befindlichen Technologie- und Industriepark Cottbus eingebunden werden. (RM)

    Eckdaten

    Lage Hangar 5:Levinestraße, 03044 Cottbus
    Lage Hangar 5::
    Lage Hangar 6:
    Levinestraße, 03044 Cottbus:
    Princess Anne Rd, Virginia Beach, VA 23457, Vereinigte Staaten
    Lage Hangar 5::
    Bauzeit:
    Levinestraße, 03044 Cottbus:
    1934
    Lage Hangar 5::
    Tragwerksplanung und Ausführung:
    Levinestraße, 03044 Cottbus:
    Ola Ostdeutsche Landwerkstätten GmbH, Berlin (Ottokar Paulssen)
    Lage Hangar 5::
    Denkmalstatus:
    Levinestraße, 03044 Cottbus:
    Hangar 5 ist Bestandteil des seit 2000 denkmalgeschützten Bauensembles „Flugplatz Cottbus-Nord“, für Hangar 6 wurde 2003 der Denkmalschutz aufgehoben.

    Bildmaterial

    Zum Weiterlesen

    Ottokar Paulssen: „Grundlagen des Leichtbaues“. In: Stahl und Eisen 56 (1936), Nr. 4, S. 81–86
    Hans-Peter Arlt: Der Heeresflugplatz Cottbus und dessen Umnutzung. Masterarbeit, BTU Cottbus, 2002

    Weblinks

    Filmaufnahme zur Wiederaufstellung von Hangar 6 in Virginia Beach (https://www.youtube.com/watch?v=tgnTq08B6YI)

  • Die Himmelsschale von Berus

    Sendehalle Europe 1

    1954

    Ansicht von West, um 2016.

    Sendehalle Europe 1


    Mehr als zweieinhalbtausend Quadratmeter ohne jede Stütze, darüber schwebend eine geschwungene Schale, gut 80 m weit gespannt und doch nur 5 cm dick: Geradezu paradigmatisch steht die Sendehalle von Radio Europe 1 für ein Konstruieren, dem kaum noch Grenzen gesetzt zu sein scheinen. Exemplarisch offenbart ihre dramatische Konstruktionsgeschichte aber ebenso die Schattenseiten hochmoderner Ingenieurbaukunst – die Verführungskraft des Leitbilds größtmöglicher Leichtigkeit, das fortschrittsblinde Verkennen möglicher Risiken und nicht zuletzt die verstörende Hybris, sich allzu sicher und frei von Fehlern zu wähnen.

    Weitere Informationen und Bildmaterial

    Sendehalle Europe 1

    Mehr als zweieinhalbtausend Quadratmeter ohne jede Stütze, darüber schwebend eine geschwungene Schale, gut 80 m weit gespannt und doch nur 5 cm dick: Geradezu paradigmatisch steht die Sendehalle von Radio Europe 1 für ein Konstruieren, dem kaum noch Grenzen gesetzt zu sein scheinen. Exemplarisch offenbart ihre dramatische Konstruktionsgeschichte aber ebenso die Schattenseiten hochmoderner Ingenieurbaukunst – die Verführungskraft des Leitbilds größtmöglicher Leichtigkeit, das fortschrittsblinde Verkennen möglicher Risiken und nicht zuletzt die verstörende Hybris, sich allzu sicher und frei von Fehlern zu wähnen.

    Clip: Werner Lorenz, Bernard Espion: Die Sendehalle von Radio Europe 1 in Berus. Berlin 2021.

    Film: Die Sendehalle von Radio Europe 1 in Berus

    Bauwerk

    Der Bau der Halle ist mit den beiden bedeutendsten Pionieren des französischen Schalenbaus verbunden. Für Bernard Laffaille jedoch wird sie zum Ort seiner größten Niederlage: Im September 1954 zerreißt das von ihm konzipierte Schalentragwerk noch während des Baus. Im Frühjahr 1955 gelingt Eugène Freyssinet mit einem veränderten Konzept die Vollendung. Doch auch seine „Rettung der Halle“ erweist sich als wenig nachhaltig: 1980 steht das filigrane Flächentragwerk neuerlich kurz vor dem Versagen. Erst im dritten Anlauf entsteht 1982 die heutige, verlässlichere Konstruktion.

    Konstruktion

    Der herzförmige Grundriss wird von einer gegenläufig gekrümmten Fläche überdeckt, deren geneigte Achse von 9,50 m vorn auf ca. 4,50 m auf der Rückseite abfällt. Eingehängt ist sie in zwei zur Achse spiegelgleiche Stahlbeton-Randbögen, um sie zu sichern, queren sechs mächtige vorgespannte Zugbänder den Raum. Die Schale selbst ist in ihrer dritten Fassung nur noch „Totlast“: Für den Lastabtrag ist heute allein die 1982 ergänzte dicht gestaffelte Unterspannung zuständig.

    Zukunft

    Ende 2015 beendete Radio Europe 1 den Betrieb der Sendehalle. Sie ging in den Besitz der Gemeinde über. Die künftige Nutzung und die damit verbundene Frage der Trägerschaft sind ungewiss; erste Konzepte liegen vor. (WL)

    Eckdaten

    Lage:Ittersdorfer Straße, 66802 Überherrn, Ortsteil Berus
    Lage::
    Bauzeit:
    Ittersdorfer Straße, 66802 Überherrn, Ortsteil Berus:
    [a] 1954
    [b] 1954/55
    [c] 1980–82
    Lage::
    Tragwerksplanung:
    Ittersdorfer Straße, 66802 Überherrn, Ortsteil Berus:
    [a] Bernard Laffaille mit René Sarger, Büro C.A.P.E.M., Paris
    [b] Eugène Freyssinet und Yves Guyon, STUP, Paris
    [c] Pierre Xercavins, Büro Europe Etudes Gecti, Clichy, für Freyssinet International, Boulogne Bilancourt
    Lage::
    Gesamtplanung:
    Ittersdorfer Straße, 66802 Überherrn, Ortsteil Berus:
    Jean-François Guédy mit André Nejavits-Méry, Paris
    Lage::
    Ausführung:
    Ittersdorfer Straße, 66802 Überherrn, Ortsteil Berus:
    [a] Saar Bauindustrie AG, Saarlouis; STUP, Paris; Dillinger Hüttenwerke AG, Dillingen
    [b] Saar Bauindustrie AG, Saarlouis; STUP, Paris
    [c] Freyssinet International, Boulogne Bilancou
    Lage::
    Denkmalstatus:
    Ittersdorfer Straße, 66802 Überherrn, Ortsteil Berus:
    Eintrag in die Denkmalliste des Saarlands 1999

    Bildmaterial

    Zum Weiterlesen

    Axel Böcker und Rupert Schreiber: „La Cathédrale des ondes – die Kathedrale der Wellen“. In: Die Denkmalpflege 74 (2016), Nr. 1, S. 70–78
    Deutscher Werkbund Saarland (Hg.): Das Europe 1 Sendezentrum im Saarland, Berus-Überherrn (Resonanzen; 2). Merzig 2020
    Werner Lorenz und Bernard Espion: Die Sendehalle von Radio Europe 1 in Berus (Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland; 28). Berlin 2021

    Weblinks

    Werkbund Saarland, Reihe Resonanzen (http://resonanzen.eu/sender-europe-1/)
    Institut für aktuelle Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (http://institut-aktuelle-kunst.de/kunstlexikon/berus-sendehalle-europe-1-28467)
    Ministerium für Bildung und Kultur im Saarland (https://www.saarland.de/mbk/DE/portale/industriekulturportal/industriekultur/OrteIndustriekulturSaarland/denkmaeleranderebereiche/sendereurope/sendereurope_node.html)

    Weitere Info

    Das Bauwerk ist Thema im Teilprojekt Gealterte Hochmoderne in Architektur und Denkmalpflege – Analyse von Konstruktion und Material, Entwicklung von Erhaltungsstrategien und Instandsetzungsmaterialien für Stahlbetonbauwerke unter ingenieurwissenschaftlichen und denkmalpflegerischen Aspekten.

  • Haus in Haus, ganz groß

    ICC Berlin

    1975

    ICC Berlin


    Das Ende der 1970er Jahre errichtete Internationale Congress Centrum (ICC) Berlin kann als Inbegriff der späten architektonischen Moderne in all‘ ihrer Widersprüchlichkeit gelesen werden. Seinerzeit begeisternd durch die gewaltigen Ausmaße, die ausgefeilte Konstruktion, die technische Ausstattung und nicht zuletzt den spektakulären Bauprozess, macht es der zwischenzeitlich als verheerend erkannte allgegenwärtige Einsatz von asbesthaltigen Verkleidungen heute zu einem kaum finanzierbaren Sanierungsfall. Ungeachtet dessen wurde das ICC durch die gelungene Synthese von Architektur und Technik zu einer einzigartigen Stadtskulptur im damaligen West-Berlin und gilt nach wie vor als eine der zentralen Landmarken der Stadt.

    Weitere Informationen und Bildmaterial

    ICC Berlin

    Das Ende der 1970er Jahre errichtete Internationale Congress Centrum (ICC) Berlin kann als Inbegriff der späten architektonischen Moderne in all‘ ihrer Widersprüchlichkeit gelesen werden. Seinerzeit begeisternd durch die gewaltigen Ausmaße, die ausgefeilte Konstruktion, die technische Ausstattung und nicht zuletzt den spektakulären Bauprozess, macht es der zwischenzeitlich als verheerend erkannte allgegenwärtige Einsatz von asbesthaltigen Verkleidungen heute zu einem kaum finanzierbaren Sanierungsfall. Ungeachtet dessen wurde das ICC durch die gelungene Synthese von Architektur und Technik zu einer einzigartigen Stadtskulptur im damaligen West-Berlin und gilt nach wie vor als eine der zentralen Landmarken der Stadt.

    Bauwerk

    Am nordöstlichen Rand des Messegeländes gelegen und mit ihm über ein dreigeschossiges Brückenbauwerk verbunden, war das ICC mit seinen Dimensionen von 320 m Länge, 80 m Breite und 40 m Höhe seinerzeit eines der größten Kongressgebäude der Welt. Die Positionierung am Schnittpunkt von Stadtautobahn und Avus führte zu der zentralen Planungsvorgabe, den gesamten Innenbereich schalltechnisch sowohl vom Baugrund als auch von der Außenhülle zu entkoppeln. Die Antwort war ein Haus-in-Haus-Konzept

    Konstruktion

    Das „innere Haus“ ist ein komplexes Stahlbetontragwerk mit fast 60 m langen, vorgespannten Querwandschotten als Hauptträgern. 14 m hoch und 2,20 m breit, sammeln sie sämtliche Lasten ein und leiten sie in den Viertelspunkten in den Unterbau ab; Elastomerlager gewährleisten die akustische und schwingungstechnische Trennung. Das „äußere Haus“ der Dach und Außenwände ist als Stahltragwerk ausgeführt. Zwölf jeweils 60 m frei spannende Querrahmen enden auf zwei mächtigen Fachwerk-Längsträgern, die in den acht vorgelagerten Treppenhauskernen ihre Stützpunkte finden.

    Nicht weniger spektakulär als die Konstruktion war der Bauprozess. Für die gigantischen Querschotten kam ein eigens konstruiertes, verfahrbares Schalgerüst zur Anwendung, und noch während der Rohbau im Innenbereich entstand, wurden bereits die vormontierten Dachbinder auf einer provisorischen Verschiebebahn in ihre finale Position eingeschoben.

    Zukunft

    Seinerzeit mit Baukosten von knapp einer Milliarde DM der bis dahin teuerste Bau Deutschlands, entwickelte sich das ICC in den folgenden Jahrzehnten zu einem der gefragtesten Kongressstandorte weltweit. Wegen der hohen Betriebs- und anstehenden Sanierungskosten wurde es 2014 geschlossen. Seit 2019 steht es unter Denkmalschutz; die Zukunft ist ungewiss.

    Eckdaten

    Lage:Messedamm 11, 14055 Berlin-Westend
    Lage::
    Bauzeit:
    Messedamm 11, 14055 Berlin-Westend :
    1975 - 1979
    Lage::
    Tragwerksplanung:
    Messedamm 11, 14055 Berlin-Westend :
    Manfred F. Manleitner, Horst Spandow, Hans Joachim Stegemann
    Ingenieurbüro Gerhard Bartels
    Lage::
    Gesamtplanung
    Messedamm 11, 14055 Berlin-Westend :
    Ralf Schüler, Ursulina Schüler-Witte
    Lage::
    Denkmalstatus:
    Messedamm 11, 14055 Berlin-Westend :
    Hangar 5 ist Bestandteil des seit 2000 denkmalgeschützten Bauensembles „Flugplatz Cottbus-Nord“, für Hangar 6 wurde 2003 der Denkmalschutz aufgehoben.
    Lage::
    Ausführung:
    Messedamm 11, 14055 Berlin-Westend :
    Generalübernehmer: Neue Heimat Städtebau
    Massivbau: Strabag (Federführung) u.a.
    Stahlbau: Krupp Industrie- und Stahlbau (Federführung) und Peiner Stahlbau
    Lage::
    Denkmalstatus:
    Messedamm 11, 14055 Berlin-Westend :
    Eintrag in die Denkmalliste des Landes Berlin 2019

    Bildmaterial

    Zum Weiterlesen

      • AIV Berlin (Hg.): Berlin und seine Bauten, Teil IX: Industriebauten, Bürohäuser. Berlin 1971, S. 53 f.;
      • Gerhard Bartels: „ICC Berlin, Konstruktion und Technik.“ In: Neue Heimat, Monatshefte für neuzeitlichen Wohnungsbau (1979), Heft 3, S. 68 f.;
      • Ursulina Schüler-Witte: Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Eine werkorientierte Biographie der Architekten des ICC. Berlin 2015, S. 56–127
      • Werner Lorenz, Roland May, Hubert Staroste: Ingenieurbauführer Berlin. Petersberg 2020, S. 136 f.

    Weblinks

    Werkbund Saarland, Reihe Resonanzen (http://resonanzen.eu/sender-europe-1/)
    Institut für aktuelle Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (http://institut-aktuelle-kunst.de/kunstlexikon/…)
    Ministerium für Bildung und Kultur im Saarland (https://www.saarland.de/mbk/DE/…)

    Weitere Info

    Werbefilm der STRABAG zum Bauprozess (1979)
    www.bauforum24.biz/videos/baufilme-jobreports/strabag-icc-berlin-1979-r397