Denkwerkstatt 2026 “ZUKUNFT ERHALTEN”

Die 5. Denkwerkstatt 2026 in München widmet sich dem Thema “Zukunft erhalten – Perspektiven für das Kulturerbe Konstruktion”.

Die fünfte und letzte Denkwerkstatt des DFG-Schwerpunktprogramms 2255 „Kulturerbe Konstruktion“ (SPP 2255) ist mehr als eine klassische Fachkonferenz. Gemäß dem Jahresthema 2026 „Zukunft erhalten – Perspektiven für das Kulturerbe Konstruktion“ richtete sie sich nicht nur an Wissenschaftler*innen, sondern ebenso an in der Baupraxis tätige Architekt*innen und Ingenieur*innen. Als von den Kammern anerkannte Fortbildungsveranstaltung verband sie Berichte aus der aktuellen Forschung mit Wissen und Erfahrungen aus der Praxis des Bauens im Bestand – als ein Forum für Innovation, Austausch und Perspektivwechsel.
Im Zentrum standen zehn Vorträge nationaler und internationaler Expert*innen zu aktuellen Innovationsfeldern und übergreifenden Fragen des Wertewandels im Bauwesen. Der erste Themenblock widmete sich neuen digitalen und analogen Methoden für Befundung, Planung und Erhalt. Vorgestellt wurden unter anderem KI-gestützte Verfahren der Schadensdokumentation, Heritage Management mit KI-Assistenten, Digitale Zwillinge und BIM-Anwendungen für die Umbauplanung komplexer Infrastrukturbauten. Ergänzt wurden diese Zukunftsthemen durch neu entwickelte Methoden zur Befundung historischer Betonoberflächen, ein vertieftes Verständnis von Schädigungsprozessen sowie daraus abgeleitete Strategien für Instandsetzung und Ertüchtigung. Damit spannte die Denkwerkstatt den Bogen von technologischer Innovation bis zur materialnahen Expertise.
Ein zweiter Schwerpunkt lag auf dem oftmals nicht einfachen Spannungsfeld von Ingenieurwesen, Denkmalpflege und Baupraxis. Unterschiedliche Fachkulturen, Sprachen und Bewertungsmaßstäbe treffen hier aufeinander – mit großem Konfliktpotenzial, aber auch enormen Chancen. Anhand konkreter Beispiele, etwa der aktuell anlaufenden Sanierung des Münchner Olympiadachs oder der institutionell fest verankerten Denkmalpflege bei der Schweizerischen Bundesbahn, zeigten die Referent*innen, wie tragfähige Kooperationsmodelle entstehen können. Ziel ist eine neue, integrative Kultur der Bauwerkserhaltung, in der technische Kompetenz, historische Verantwortung und gesellschaftliche Werte zusammengeführt werden.
Ein dritter Themenblock richtete den Blick auf Ausbildung und Praxistransfer. Angesichts der Tatsache, dass der größte Teil der Bauleistungen längst im Bestand erbracht wird, diskutierten internationale Beiträge aus Portugal, Belgien und der Schweiz neue Studien- und Weiterbildungsmodelle, die das Engineering historischer Tragwerke, die enge Verzahnung von Universität und Praxis sowie innovative Vermittlungsformate wie Virtual Reality in den Fokus rückten. Damit wurde deutlich: Der notwendige Paradigmenwechsel vom Neubau zum Um- und Weiterbauen beginnt in der Lehre.
Übergreifend rahmte die Keynote von Prof. Dr. Armin Nassehi (LMU München) die Denkwerkstatt. Der renommierte Soziologe thematisierte, wie Wandel tatsächlich ermöglicht werden kann – nicht durch moralische Appelle oder Technik allein, sondern durch die bewusste Gestaltung sozialer Strukturen.
Abgerundet wird das Programm durch zwei Exkursionen, die den Dialog zwischen Theorie und gebauter Realität vertiefen (beschränkte Teilnehmenden-Zahl). Die Denkwerkstatt versteht sich damit als offener Kommunikationsraum: für Austausch auf Augenhöhe, für neue Perspektiven und für zukunftsfähige Strategien im Umgang mit unserem baulichen Erbe.

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INFORMATIONEN
Die Denkwerkstatt „Zukunft erhalten“ war eine Veranstaltung des DFG-Schwerpunktprogramms 2255 Kulturerbe Konstruktion mit der Technischen Hochschule München und der Hochschule München. Die Denkwerkstatt wurde von der Bayerischen Architektenkammer und der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau als Fortbildungsveranstaltung anerkannt.
>> Veranstaltungsort
Oskar von Miller Forum, Oskar-von-Miller-Ring 25, 80333 München
>> Referent*innen
Martina Russo Ph.D., Cassia De Lian Cui Ph.D., Università degli Studi di Roma „La Sapienza“; Daniel Fröhlich M.Sc., Hochschule München; Frank Simon, schlaich bergermann partner, Stuttgart; Prof. Dr. Andreas Putz, Technische Universität München; Prof. Dr.-Ing. Christoph Dauberschmidt, Hochschule München; Prof. Dr.-Ing. Christian Sodeikat, Dr.-Ing. Till F. Mayer, Dipl.-Ing. Eckhard Bunge, Ingenieurbüro Schiessl Gehlen Sodeikat, München; Prof. Dr. phil. Armin Nassehi, Ludwig-Maximilians-Universität München; Reto Bieli, Fachstelle für Denkmalpflege der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), Bern; Prof. Dr.-Ing. Robert Hertle, Korbinian Pötzl M.Sc., Hertle Ingenieure, Gräfelfing, Dr. Michael de Bouw, Buildwise, Brüssel; Prof. Dr. Robert J. Flatt, ETH Zürich; Prof. Dr. Paulo B. Lourenço, Universidade do Minho, Guimarães.
>> Danksagung
Wir danken dem Oskar von Miller Forum für die Unterstützung der Veranstaltung.
>> Kooperationspartner
Bayerische Architektenkammer.

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