Kurzbericht Workshop „Eisenbahn und Denkmalpflege“

Am 26. und 27.05.2026 fand in Hamburg der sechste Workshop „Eisenbahnbrücken und Denkmalpflege“ auf Einladung des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege und der Deutschen Bahn AG statt. Eingebettet sind die Workshops in das Schwerpunktprogramm 2255 „Kulturerbe Konstruktion“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In den fünf Panels des Treffens in Hamburg wurden Themen wie die Denkmalbewertung von Ingenieurbauwerken sowie deren Erfassung und Erhaltung, unter anderem anhand von konkreten Beispielen vorgestellt. Am länderübergreifenden Austausch nahmen Vertreter der Deutschen Bahn AG sowie der Schweizer Bundesbahn (SBB), Kolleg*innen verschiedener Denkmalfachämter und Denkmalschutzbehörden sowie Fachleute aus Forschung und Planungsbüros teil.

Am ersten Tag lag der Schwerpunkt auf den Prozessen der Bewertung von Ingenieurbauten. Johanna Monka-Birkner (NLD) referierte über ein aktuelles Forschungsprojekt „Eisenbahnbrücken als Denkmale im Netz“ und ein daraus entstandenes Pilotprojekt zum Umgang mit Stahlbrücken des frühen 20. Jahrhunderts in Hannover. Anschließend beschäftigte sich Ulrich Knufinke (NLD) mit den Begriffen der „konstruktiven“ und der „funktionellen Integrität“ als Kriterien der denkmalfachlichen Bewertung von komplexen Objekten des Baukonstruktionserbes. Abgeschlossen wurde das Panel von Clara Jiva Schulte, die ein bewilligtes Transferprojekt im SPP 2255 mit dem Titel „EBBS_rail“ vorstellte. Die von ihr entwickelte Methode einer Analyse und Bewertung von Planungsvarianten für sanierungsbedürftige historische Brücken soll helfen, Entscheidungsprozesse nachvollziehbarer zu machen.

Zwei unterschiedliche Erfassungsprojekte wurden im zweiten Panel behandelt. Christiane Curti (NLD) gab einen Einblick in die sogenannte niedersächsische Eisenbahnkartei, eine seit über 40 Jahren fortgeschriebene Dokumentation von Eisenbahn-Bauten vorrangig des 19. Jahrhunderts. Bärbel Schallow-Gröne (SBB Fachstelle Denkmalpflege) sprach über Brückennormbauten und die Linienerfassung im SBB-Inventar ISBA.

Conrad Pelka (DB InfraGo) stellte in seinem Vortrag „Aktueller Stand zum Erhalt von Eisenbahnbrücken“ die vielschichtigen bahninternen Prozesse im Rahmen einer Projektplanung im Umgang mit Eisenbahnbrücken vor. Reto Gadola (SBB Fachstelle Denkmalpflege) schloss mit seinem Vortrag „Denkmalschutz und Lifecycle-Management von Eisenbahnbrücken“ das dritte Panel und damit den Schwerpunkt der Prozesse der Erhaltung von Eisenbahnbrücken ab. Anhand von verschiedenen Beispielen zeigte er Erfahrungen aus der Schweiz und gab Hinweise für einen denkmalgerechten Umgang im Rahmen von Sanierungsprojekten.

Der zweite Tag des Workshops startete mit einer Exkursion auf der Elbe, um die komplexe Planungssituation am Bestand der Norderelbbrücken zu verdeutlichen.

Im vierten Panel zu Großbeispielen stellte Marriet Boutez (Denkmalschutzamt Hamburg) zunächst die Prozesse und Potentiale der Denkmalpflege in Hamburg vor. Insgesamt ist eine frühzeitige Einbindung des Denkmalamtes in Hamburg zwar gegeben, doch sollen die Kommunikation und die Prozessabläufe im Rahmen der Brückensanierung mit der Deutschen Bahn AG weiter verbessert werden. Wichtige Grundlage bildet hierbei der sogenannte Brückengipfel, der vor wenigen Jahren gegründet wurde. Eine frühzeitige Einbindung und Entwicklung einer Kommunikationsstrategie für eine gesamtheitliche Lösung war auch notwendig für das sehr komplexe Baugeschehen der EÜ Norderelbbrücke, welches Stefanie Heser (DB InfraGo) erläuterte. Michael Hascher (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg) referierte über die Generalsanierung der Strecke 4700 von Stuttgart nach Ulm mit zahlreichen denkmalwerten technischen Bauten.

Im fünften Panel ging es um Institutionen, die förderlich für die Eisenbahndenkmalpflege sind. Maria Mungo und Julia Untermann (Fachgruppe Denkmalpflege der DB InfraGo) berichteten von ihrer jungen Einrichtung und einem Pilotprojekt zum Aufbau einer denkmalpflegerischen Datenbank. In Ergänzung zur Exkursion am Vormittag und zum Vortrag von Frau Heser sprach Steffen Marx (TU Dresden) zum Hamburger Brückenbeirat. Auf Initiative der Bundesstiftung Baukultur wurde 2022 der Hamburger Brückenbeirat ins Leben gerufen. Dieses Beratungsgremium der Deutschen Bahn AG übernimmt die Vermittlung zwischen der DB und der Stadt Hamburg mit sämtlichen Behörden.

In der Abschlussdiskussion wurden nochmals die Schwerpunkte herausgearbeitet, die im Rahmen des Workshops an beiden Tagen angesprochen wurden. Die wichtigsten Themen sind neben der Bewertung des Bestandes vor allem die Verbesserung der Kommunikation zwischen den Projektbeteiligten und der verschiedenen Prozesse innerhalb eines Projektes für eine langfristige Planungssicherheit. Die einzelnen Prozesse wurden von Seiten der DB AG und der Denkmalbehörden noch einmal im Detail aufgezeigt und vor allem am zweiten Tag durch einzelne aktuelle Sanierungsprojekte ergänzt.

Nach sechs Workshops kann der Erfolg verzeichnet werden, dass sich aus einem internen Cluster-Workshop ein länderübergreifendes Gesprächsforum für die Eisenbahndenkmalpflege entwickelt hat. Ziel ist nun, dieses über den Zeitrahmen des SPPs hinaus weiterzutragen. Im kommenden Jahr soll das nächste Gesprächsforum bei der Fachgruppe Denkmalpflege der DB InfraGo in Berlin stattfinden, um das Format weiterzuführen.

Christiane Curti, Johanna Monka-Birkner, Ulrich Knufinke.

Weitere News, Workshop Aktivitäten


Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von Ihnen, wenn Sie auf unsere Website zurückkehren, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für Sie am interessantesten und nützlichsten sind.

Mit Betreten der Website erklären Sie sich mit den geltenden Datenschutzbestimmungen, sowie der Nutzung von Cookies, einverstanden.